Spannung beim Erlanger Stadtderby – Spielbericht der U23

20.09.2018|Allgemein|

Verdiente Punkteteilung im Erlanger Stadtderby der U23

Vor dem Derby schienen die Rollen von außen klar verteilt: Der Vizemeister gegen den Aufsteiger im ersten Drittliga-Stadtderby in Erlangen. Nach einer schwierigen Anfangsphase, die man so eigentlich vermeiden und einfachen Toren, die man verhindern wollte war von Beginn an klar, dass das Spiel nicht so leicht verlaufen würde, wie sich manch einer vielleicht aufgrund der Vorbedingungen gedacht hatte. Spätestens nach fünf gespielten Minuten wusste jeder in der Halle, dass ein harter Kampf über die gesamte Spieldauer bevorstehen würde.

Mangelnde Einstellung war an diesem Tag keinem Spieler vorzuwerfen, die Einsatzbereitschaft war durch die Bank weg vorhanden. Was den Spielern der U23 allerdings fehlte, war die notwendige Struktur, um den notwendigen Kampf aber auch in die richtigen handballtechnischen Bahnen zu lenken. „Unter der Woche haben wir viel daran gearbeitet, der offensiv und den Spielaufbau zerstörenden Abwehr der Brucker unser eigenes Spiel aufzuzwängen. Das hat so nicht funktioniert und es resultierte das wilde Spiel der ersten zwanzig Minuten daraus“, analysierte Tobias Wannenmacher. Das Spiel lebte von der Derbystimmung und den Emotionen auf beiden Seiten, war aber eine grundsätzlich faire und mit gesunder Härte geführte Partie.

Kurz vor der Pause schlichen sich ins Spiel der U23 vermeidbare Fehler ein, wovon Bruck sofort profitieren konnte. Es resultierten drei einfache Tore und der 8:11 Pausenrückstand. „Wir haben zum Ende der ersten Halbzeit teilweise haarsträubende Fehler gemacht, die wir eigentlich bereits überwunden wähnten“, so Wannenmacher. In der Halbzeitansprache wurde nochmals klar darauf hingewiesen, sich an die taktischen Maßgaben zu halten, um die Kontrolle über das Spiel zurückzugewinnen. Gegen die unübliche 5+1-Deckung, die teils bis in eine aggressive 4+2-Formation wechselte galt es, den Spielfluss wiederherzustellen.

Dies funktionierte in Halbzeit zwei zumindest in mehr Phasen als im ersten Durchgang. Leider waren diese Episoden aus Sicht der U23 zu kurz, so dass Bruck immer wieder über die Aktivposten Hümpfer, Mayer, Duscher und Hirning Nadelstiche setzen und das Spiel offen gestalten konnte. Die Hausherren verpassten es, sich in zwei durchaus vorhandenen Momenten der zweiten Halbzeit mit zwei, drei Toren abzusetzen, um zumindest dort einmal eine gewisse Ruhe ins allgemein hektische Spiel zu bringen.  So war es in den letzten Minuten aber ein hin und her, ohne dass sich eine Mannschaft einen Vorsprung herausarbeiten konnte und beide Seiten versuchten ihr Glück meistens über Zufalls- und Einzelaktionen. Durch überhastete Entscheidungen in Überzahl und einige unüberlegte Angriffe konnten viele vermeintliche Vorteilssituationen nicht ausgenutzt werden. Symptomatisch dafür der letzte Angriff der Gastgeber: Die U23 hatte bei eigenem Ballbesitz die Möglichkeit auf den Siegtreffer, doch ein Pass auf den zuvor erfolgreichen Marwin Wunder auf Rechtsaußen landete im Seitenaus und gewährte den Bruckern sogar eine letzte Chance auf die volle Punktzahl, die diese aber auch nicht mehr nutzen konnten.

Zusammenfassend betrachtet

„Nachbetrachtend ist es einfach schwierig ein solches Derby zu gewinnen, wenn bis auf den starken Haßferter im Tor, sich fast jeder Spieler seine drei, vier technischen Fehler und Fehlwürfe leistet. Dann kommen am Ende in der Statistik natürlich Zahlen zum Vorschein die einen Sieg so gut wie unmöglich machen. Aber das Interessante am Handball ist auch das wir trotzdem unentschieden gespielt haben und die Chance auf den Sieg hatten.“

So muss sich die U23 mit einer aus ihrer Sicht nach dem Spielverlauf angemessenen Punkteteilung zufriedengeben und auf die nächsten Spiele konzentrieren. Coach Wannenmacher gibt bereits die Marschrichtung vor: „Wir müssen an unseren Schwächephasen arbeiten. Immer wieder gibt es Wellentäler in unserem Spiel, die uns stark beeinträchtigen. Wir sind noch nicht auf dem Level von letztem Jahr, wollen dort aber wieder hinkommen. Einige unserer Leistungsträger sind aufgrund von auskurierten Verletzungen noch nicht bei 100%, andere werden teils ins kalte Wasser geworfen und müssen sich noch ein wenig ‚freischwimmen‘. Wir haben nach vier Spielen eine Ausbeute von 5:3 Punkten – letztes Jahr wären wir damit hochzufrieden gewesen. Von dem eventuell vorherrschendem Gedanken, jetzt mit 8:0 Punkten dastehen zu müssen, sollten wir uns schleunigst distanzieren. Natürlich wird man als Vizemeister anders wahrgenommen als noch letztes Jahr als Aufsteiger, dieser Erfolg hat sich vielleicht auch in den Kopf des einen oder anderen Spielers hineingebrannt. Mit Eisenach und Nußloch stehen uns jetzt zwei Hochkaräter der Liga bevor, bei denen man diese ‚durchaus leidige Favoritenrolle‘ erstmal klar los ist, das werden große Herausforderungen. Aber wir sind eine junge Mannschaft und werden beständig in allen nötigen Bereichen arbeiten, dann steht einem erfolgreichen Saisonverlauf nichts im Wege.“

Einen besonderen Dank richtete Wannenmacher noch ans Erlanger Publikum: „Es war für alle in der Halle ein besonderer Moment, wieder ein emotionsgeladenes Stadtderby vor voller Halle erleben zu dürfen. Die Zuschauer haben aus der altehrwürdigen Karl-Heinz-Hiersemann-Halle wieder einen echten Hexenkessel gemacht. Man sieht, dass Handball in Erlangen lebt – getragen von allen Fans und Mannschaften aus Erlangen und der Umgebung, die den Weg am Samstag zum Derby gesucht und gefunden haben. Am Ende sehe ich das Unentschieden nicht als Punktverlust für uns, sondern als zwei Punkte für den Handball in der Region.“

Die nächste Möglichkeit daran anzuknüpfen besteht bereits am kommenden Samstag um 18 Uhr gegen den Traditionsverein und Aufstiegsfavoriten vom ThSV Eisenach.

Eure U23

Ein Bericht von Tobias Wannenmacher

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